Titel­bild von Daria Flack

Tanja schlief noch immer und bemerkte nicht wie sich die Ste­war­dess etwas zu mir rüber beugte und mir leise sagte das seit gut zwei Stun­den die Radar­ge­räte und der kom­plette Funk aus­ge­fal­len sind. Sie ver­suchte mich zu beru­hig­ten und fügte an, dass dies aber nicht schlimm wäre da wir wei­ter­hin auf Kurs sind. Das Leuch­ten da drau­ßen wäre nur eine Himmelserscheinung.

Sie ging zurück. Ich sah aus dem Fens­ter, „Him­mels­er­schei­nung…“ mur­melte ich. Das da drau­ßen war nicht irgend­eine Him­mels­er­schei­nung, das ist Wet­ter­leuch­ten, bes­ser gesagt es sind Polar­lich­ter. Sollte mich mein Erd­kun­de­wis­sen nicht völ­lig ver­las­sen haben, kommt man auf dem Weg nach Aus­tra­lien aber an kei­nem der Pole vor­bei. Irgend­et­was läuft hier also gehö­rig ver­kehrt. Wieso fal­len sämt­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­teme aus? Ich ver­suchte klare Gedan­ken zu fin­den. Polar­lich­ter tre­ten nur dort auf, wo viele elek­trisch gela­dene Teil­chen aus Son­nen­win­den auf unsere Atmo­sphäre tref­fen, übli­cher­weise an den, wie der Name schon sagt Polen. Ich Griff auf meine linke Schul­ter riss mich aus mei­nen Gedanken.

„Ich habe das vor­hin mit­be­kom­men, was glau­ben Sie was hier los ist?“ Ein älte­rer Mann mit unra­sier­tem Gesicht blickte mir tief in die Augen. Ich schlug vor etwas wei­ter nach hin­ten zu gehen, dort waren einige Sitz­rei­hen leer.

„Ich glaube, das da drau­ßen sind Polar­lich­ter, die Ste­war­dess sagte das Radar und der Funk wären gestört.“ „Gut mög­lich“ sagte der Mann, und gab mir seine Hand. „Ich bin übri­gens Richard“. „Tom“, sagte ich. Wir sahen beide aus dem klei­nen Fens­ter, die Lich­ter wur­den immer grel­ler, Richard zog seine Taschen­uhr aus der Hose, öffnete eine Klappe auf der Rück­seite und zeigte mir einen Kom­pass. „Siehst du das? Der Kom­pass spielt total ver­rückt, ich habe das erste mal zwei Stun­den nach dem Start dar­auf geach­tet, seit dem wird es schlim­mer, teil­weise dreht sich die Nadel meh­rere Male im Kreis bevor sie wie­der einige Minu­ten in eine Him­mels­rich­tung zeigt.“ Es war unheim­lich, mir lief es kalt den Rücken her­un­ter. „Richard, ange­nom­men das da drau­ßen sind Polar­lich­ter, wo zum Teu­fel sind wir dann? Was ist da drau­ßen los?“ Er über­legte kurz, run­zelte die Stirn. „Wenn die Son­nen­stürme stär­ker wer­den, kommt es schon mal vor das Satel­li­ten kurz­zei­tig ihre Dienste ver­sa­gen, aber wir müss­ten uns hier irgendwo über dem Indi­schen Ozean befin­den, hier haben Polar­lich­ter genau so wenig ver­lo­ren wie ein Eis­bär in der Wüste. Also ent­we­der pas­siert da ganz oben etwas ziem­lich gro­ßes, oder wir flie­gen seit dem Start in die fal­sche Rich­tung. Was hälst du für wahrscheinlicher?“.

Er kannte meine Ant­wort obwohl ich nichts sagte. Es kann unmög­lich sein das wir den Kurs so ver­fehlt haben, das wäre jeman­dem auf­ge­fal­len. Das Wet­ter spielte in den letz­ten Wochen etwas ver­rückt, jetzt diese Geschichte. Aber­mals wur­den meine Gedan­ken unter­bro­chen, die­ses mal von meh­re­ren Tur­bo­len­zen, es fühlte sich an als würde jemand auf das Flug­zeug schla­gen, man hatte das Gefühl in einer Sekunde zehn Meter gefal­len zu sein. Es wurde unru­hig in der Kabine, ich ging zurück zu Tanja die mitt­ler­weile auf­ge­wacht war. „Wo warst du? Was ist los, schlech­tes Wet­ter?“ „Nur ein paar Tur­bo­len­zen, nichts schlim­mes, mach dir keine Sor­gen.“ Die Kabi­nen­be­leuch­tung wurde ange­schal­tet und die Anschnall­zei­chen leuch­te­ten auf. Wir flo­gen durch ein paar Wol­ken, die Ste­war­des­sen lie­fen durch die Gänge und hal­fen eini­gen Leu­ten, alle paar Sitz­rei­hen muss­ten Sie sich an den Leh­nen fest­hal­ten, so stark wurde die Maschine mitt­ler­weile durch­ge­schüt­telt. Dann merkte ich wie wir in eine Links­kurve flo­gen, „Da, merkst du es? Sie umflie­gen den Sturm, gleich ist es vor­bei!“. Kurze Zeit spä­ter ver­lief der Flug deut­lich ruhi­ger, ich wurde den­noch das Gefühl nicht los das wir nach und nach an Höhe ver­lie­ren wür­den. Ich sah aus dem Fens­ter, der Him­mel schim­merte grün­lich an eini­gen Stel­len. Dann schoss der Flie­ger ohne Vor­war­nung nach unten, einige erschreck­ten sich so sehr das sie schrien, Panik machte sich breit. Tanja klam­merte sich an ihren Sitz, ich ver­suchte den Über­blick zu behal­ten und sah mich hek­tisch um, im Flie­ger brach Chaos aus, einige Sachen roll­ten die Gänge her­un­ter, ver­ein­zelt fie­len Sau­er­stoff­mas­ken aus der Decke. Tanja klam­merte sich an mir fest, sie war mit ihrer Angst nun nicht mehr alleine, mein Herz schlug als wolle es mei­nen Brust­korb durch­bre­chen, ich bekam Panik. Unser Sturz­flug hielt an, ab und zu vibrierte der Boden unter den Füßen, ich ver­suchte ruhig zu blei­ben, aber es wollte mir nicht gelingen…

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