Wir unterhielten uns angeregt über unseren ersten Gemeinsamen Urlaub außerhalb von good old Germany. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir gleich mit dem Flieger nach Australien fliegen und uns die Outbacks mal nicht nur auf Fotos angucken müssen!“ Tanja wirkte immer noch sehr nervös. Sie konnte reden wie ein Wasserfall wenn sie nervös war.
Wir trafen pünktlich am Flughafen ein, es war sogar noch Zeit für eine ruhige Tasse Kaffee. Ich beobachtete die Leute in den Terminals. „Wie eine Ameisenkolonie“, sagte ich zu Tanja, die mich fragend anguckte. „Schau dir die Leute an, rennen wild durcheinander, Urlauber zwischen Managern und Geschäftsleuten, Handys und Organzier zwischen Hawaii-Blumenketten und Strandhüten. Alles was in der Welt da draußen niemals zusammen passen würde, findet man hier, und niemanden scheint es zu stören.“ Tanja nippte an ihrem Kaffee, nahm dann ihre Handtasche und ging noch ein mal zur Toilette. Ich blieb und ließ meinen Blick schweifen um an einem Fernseher hängen zu bleiben. Sie zeigten die Wetteraussichten, weiterhin heftiger Schneefall mit ungewöhnlichen Windgeschwindigkeiten für diese Jahreszeit. Ich trank meinen Kaffee und endlich kam Tanja zurück, unser Flug wurde bereits zum zweiten mal aufgerufen. Wir checkten ein.
Auf dem Weg zu unserem Flieger guckte Tanja aus dem Fenster. „Sie besprühen die Flugzeuge mit einem Mittel das Eisbildung verhindert“, erklärte ich. „Mach dir keine Sorgen, das funktioniert bestens, wenn du gleich im Flieger sitzt und dich entspannst wird alles sehr angenehm werden. Du kannst am Fenster sitzen wenn du möchtest“. Wir gingen weiter und wurden von zwei Flugbegleiterinnen freundlich begrüßt und eingewiesen. „Setz du dich ans Fenster, das ist mir nicht geheuer“, Tanja wurde sichtlich nervöser.
Nach etlichen Einweisungen und Willkommensgrüßen rollte unser Flugzeug auf die Startbahn und beschleunigte. Ich mag das Gefühl wenn wir den Boden verlassen, der Start verlief ruhig, trotzdem merkte ich wie meine linke Hand fest gedrückt wurde. Nachdem wir zwanzig Minuten in der Luft waren ließ ihre Anpassung nach, wir scherzten und lachten. Ich beschloss zu schlafen, Tanja vertrieb sich die Zeit mit einem Buch.
Ich wurde wach und dachte ich hätte den ganzen Flug verschlafen, dabei waren es nur ein paar Stunden. Mittlerweile war es dunkel, vereinzelt brannten Leseleuchten über den Sitzen, ansonsten war es ruhig. Tanja schlief, hielt ihr Buch aber noch immer in der linken Hand. Ich sah aus dem Fenster, die Markierungsleuchten erhellten kurz den schwarzen Himmel. Dann sah ich in weiter Ferne helle Lichter, sie flimmerten, wirkten verschwommen. Ich sah nach links rüber aus den anderen Fenstern, dort war es viel heller. Kurze Zeit später konnte ich sehen wie sich diverse Lichter auf dem Flügel der Maschine leicht spiegelten. Etwas ungläubisch rieb ich meine Augen, es sah aus wie Polarlichter. Polarlichter in dieser Region? Das kann gar nicht sein, es sei denn der Pilot hat die Flugdaten vertauscht. Der Nachthimmel erhellte sich immer mehr, es wirkte richtig unheimlich. Ich machte mich auf den Weg zur Toilette. Dort angekommen erfrischte ich mich mit kaltem Wasser. Ich guckte in den Spiegel. „Polarlichter…so ein Quatsch, hast du in der Schule nicht aufgepasst?“. Ich ging zurück zu meinem Platz. Mittlerweile hatten auch andere Passagiere das abendliche Leuchten am Himmel entdeckt, es wurde ein wenig unruhiger. Ich suchte in meinem Hangepäck nach meiner Digitalkamera. Ich versuchte ohne Blitz ein paar Bilder zu machen, sie sahen aber auf dem kleinen Display schon sehr verschwommen aus. Mittlerweile konnte man eine Art Umriss der Lichter erkennen, man hatte das Gefühl in einer Art Kugel zu sein. Ich fühlte mich an einen schlechten Fantasy-Film erinnert. Ich bat eine Stewardess die gerade durch den Gang lief zu fragen wo wir uns gerade befinden würden. „Wir haben noch ein paar Stunden vor uns, schlafen Sie vielleicht noch ein wenig, oder kann ich Ihnen etwas bringen?“ „Nein danke, aber wenn es keine Umstände macht würde ich gerne wissen wo in etwa wir gerade sind. Werfen Sie mal einen Blick aus dem Fenster, dann verstehen Sie meine Frage…“ Sie sah aus dem Fenster und runzelte die Stirn. „Ich gehe mal vorne fragen, einen Moment bitte.“
Nach fünf Minuten kam sie zurück, und bat mich darum, es für mich zu behalten was sie mir nun erzählen würde. Ich rutschte etwas hoch in meinem Sitz und sah nochmals aus dem kleinen Fenster….

















