Titel­bild von Petra Poll­mann

End­lich zuhause. Mein letz­ter Arbeits­tag war geschafft, am liebs­ten würde ich mich end­lich ent­span­nen, aber der Ein­kauf erle­digt sich lei­der nicht von selbst. Ich zog die Woh­nungs­tür hin­ter mir zu und machte mich auf den Weg zum nächs­ten Super­markt. Es war einer die­ser grauen Novem­ber­tage, dun­kel, ver­reg­net und kalt. Kurz nach acht Uhr Abends, die Schein­wer­fer der vor­bei­fah­ren­den Autos spie­gel­ten sich auf der nas­sen Straße und blen­de­ten mich, ich zog den Kra­gen mei­nes Win­ter­man­tels hoch und ver­grub die Hände in den Taschen.

Im Super­markt ange­kom­men hätte ich am liebs­ten ein kur­zes Hemd ange­zo­gen, da wun­dern sich die Leute warum sie krank wer­den, kom­men sie aus knapp 2 Grad in gefühlte 40 Grad im Super­markt. Genau wie drau­ßen auf den Stra­ßen war es hier auch fast men­schen­leer. Schnell das nötigste für mor­gen in den Ein­kaufs­korb gepackt, bloß nicht zu viel kau­fen was sonst im Kühl­schrank wie­der ein Eigen­le­ben ent­wi­ckeln könnte. Schon auf dem Weg zur Kasse hörte ich wie sich zwei Frauen ange­regt unter­hiel­ten. Ich legte meine Sachen aus dem Ein­kaufs­korb auf das Lauf­band der Kasse, augen­schein­lich war die Frau vor mir mit dem bezah­len bereits fer­tig, alles war in zwei Tüten ver­staut wor­den, das Porte­mon­naie hielt sie in der rech­ten Hand. Die Kas­sie­re­rin schien mich zwar bemerkt zu haben, ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe brin­gen und redete wei­ter. Ich tippte Ner­vös mit eini­gen Fin­gern auf mei­nen Ein­kaufs­korb, ver­lor lang­sam die Geduld. Nach einem Räus­pern mei­ner­seits warf mir die Kas­sie­re­rin einen generv­ten Blick zu, ver­ab­schie­dete sich dann von der ande­ren Frau und zog meine Sachen end­lich über den Scan­ner. 27,68 Euro. Ich bezahlte und ver­ab­schie­dete mich. Auf dem Weg zurück nach Hause fing es an zu reg­nen. „Nur noch heute Abend, mor­gen bist du weg!“ sagte ich zu mir selbst und ver­suchte das schlechte Wet­ter zu verdrängen.

Ich hing den Man­tel zum Trock­nen auf, schmiss meine Schuhe in die Ecke und ging in mein Arbeits­zim­mer. Noch ein letz­tes mal E-Mails che­cken und die Wet­ter­vor­her­sage für die nächs­ten Wochen angucken.

Wäh­rend ich beschäf­tigt war den Spam aus mei­nem Post­ein­gang zu löschen blickte ich für eine kurze Zeit aus dem Fens­ter neben mei­nem Schreib­tisch. Es stürmte und schneite, es stürmte jedoch unge­wöhn­lich stark für diese Jah­res­zeit. Mein Blick wan­derte zurück zu mei­nem Bild­schirm als er an der Check­liste für mor­gen hän­gen blieb. Ich hatte an alles gedacht, die Flug­ti­ckets, genug Kla­mot­ten, Son­nen­creme und meine Digi­tal­ka­mera. Ich beant­wor­tete die letz­ten Mails und schal­tete den Com­pu­ter ab. Es war kurz vor 22 Uhr als das Tele­fon klin­gelte und mich davon abhielt mich mit einem Wein noch kurz vor den Fern­se­her zu setzen.

Zwei Stun­den tele­fo­nierte ich mit Tanja. Sie war ner­vös, saß vor­her noch nie in einem Flug­zeug, war noch nie so weit weg. Es kam mir vor als hätte sie mich alle zwei Minu­ten gefragt ob sie nichts ver­ges­sen hätte. Um kurz nach halb ein Uhr lag ich end­lich im Bett, bis zum Flug­ha­fen Mün­chen mor­gen ist es ein gan­zes Stück von Schopf­heim aus. 300 Km spuckte mir der Rou­ten­pla­ner aus als ich die Stre­cke am Nach­mit­tag zusam­men­stellte. Der Flug geht um 13 Uhr, ich wollte früh genug hier abrei­sen zusam­men mit Tanja, wer weiß wie das Wet­ter ist.

Die Nacht blieb stür­misch, ich bekam kaum ein Auge zu. Pünkt­lich um sie­ben Uhr klin­gelte mein Wecker. Der Blick aus dem Fens­ter ver­hieß nichts gutes, über Nacht fie­len über 10 cm Neu­schnee, das Lokal­ra­dio warnte alle Auto­fah­rer. Ich hatte keine Angst. Mein zwan­zig Jahre alter Benz hat mich noch nie im Stich gelas­sen, ist zuver­läs­sig wie ein alter Schiffs­die­sel und trotzt jedem Wet­ter. Das Früh­stück fiel karg aus, zwei Toast, eine Tasse Kaf­fee, ein kur­zer Blick in die Zei­tung. Nach einer hei­ßen Dusche schleppte ich mei­nen Kof­fer zu mei­nem Auto und ver­staute ihn im Kof­fer­raum. Mit einem prü­fen­dem Blick ging ich ein letz­tes mal durch meine Wohnung.

Wie erwar­tet sprang mein Auto ohne gro­ßes Mur­ren an. Ich machte mich auf den Weg zu Tanja, die mir schon vier SMS geschrie­ben hatte heute Mor­gen, ihre Auf­re­gung hatte sich noch immer nicht gelegt. Die Stra­ßen waren voll mit Schnee­matsch, es ging nur zäh voran im Stadt­ver­kehr. Ein Auto stand quer auf einer Ver­kehrs­in­sel und hatte ein Schild umge­knickt, bestimmt hat der Kerl keine Win­ter­rei­fen auf­ge­zo­gen. Sel­ber schuld. Nach zwan­zig Minu­ten Fahrt kam ich vor Tan­jas Woh­nung an. Sie stand schon bib­bernd in der Kälte mir ihrem Kof­fer und einem Grin­sen im Gesicht. Ich stieg aus und begrüßte sie wie gewohnt mit einem Kuss. Zwei Jahre sind wir nun zusam­men und haben noch immer keine gemein­same Woh­nung, das müsse sich nach dem Urlaub ändern beschloss ich.

Wir mach­ten uns auf den Weg zum Flug­ha­fen. Die Land­stra­ßen waren teil­weise noch vol­ler Schnee, teil­weise konnte man kaum erken­nen wo die Straße auf­hörte und der Rand beginnt. Das Navi zeigte das wir noch 277 Kilo­me­ter vor uns haben, ich hoffte das sich das Wet­ter bes­sern würde und fuhr lang­sam weiter.

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